21.03.2016 | 16 : 36 Uhr | cb


Fassenbegrünung am Cafe Füchsen

Verbot von Fassadenbegrünung ist vom Tisch

 

Rück­blick auf die Bür­ger­ver­samm­lung am 8.3.2016 im Rat­haus: Thema war das Kon­zept zur neu geplan­ten Gestal­tungs­sat­zung Erfur­ter Alt­stadt. Der — aus unse­rer Sicht — umstrit­tenste Punkt war das geplante Vor­ha­ben, in der Erfur­ter Alt­stadt die Begrü­nung von Fas­sa­den zu verbieten.

Nach rela­tiv kur­zer Dis­kus­sion und ein­deu­ti­gem Votum der anwe­sen­den Bür­ge­rIn­nen wird die­ses Ver­bot aus dem Kon­zept gestri­chen. Fas­sa­den dür­fen also auch wei­ter­hin begrünt wer­den. Und wir als Bür­ger­in­itia­tive hof­fen, das mehr Haus­be­sit­zer als bis­her dies auch tun. In der kur­zen Dis­kus­sion wurde deut­lich, dass die Vor­teile einer Fas­sa­den­be­grü­nung evtl. Nach­teile bei wei­tem über­wie­gen und ein Ver­bot daher nicht gerecht­fer­tigt wäre.

Graffiti in der Schottengasse. Man stelle sich diese Mauer begrünt vor.

Graf­fiti in der Schot­ten­gasse. Man stelle sich diese Mauer begrünt vor.

Die Gründe für eine Begrü­nung kön­nen sehr viel­schich­tig sein. An ers­ter Stelle steht natür­lich der öko­lo­gi­sche Aspekt. Fas­sa­den­grün kann zum einen das Hau­sin­nere dämmen/kühlen und zum ande­ren den umge­ben­den Stra­ßen­raum klein­kli­ma­tisch güns­tig beein­flus­sen. Ange­sichts der in Folge des Kli­ma­wan­dels erwart­ba­ren star­ken Auf­hei­zun­gen der stark ver­sie­gel­ten Innen­stadt, ist Letz­te­res beson­ders wich­tig. Aber auch die Mög­lich­keit sich mit Fas­sen­be­grü­nung vor Graf­fi­tivan­da­lis­mus schüt­zen zu kön­nen, ist ein wich­ti­ges Argu­ment für die Begrü­nung von Haus­wän­den und Mau­ern. Dass Fas­sen­grün Häu­sern meist eine beson­dere Ästhe­tik und einen sym­pa­thi­schen “Cha­rak­ter” ver­leiht, ist zwar “nur” ein ästhe­ti­scher Aspekt — warum sollte der eigent­lich weni­ger wich­tig ein­ge­schätzt werden?

Auf Nach­frage und laut Aus­sage von Herrn Börsch (Amts­lei­ter vom Amt für Stadt­ent­wick­lung) ist das Ver­bot übri­gens auf beson­de­ren Wunsch der Erfur­ter Denk­mal­schüt­zer auf­ge­nom­men wur­den. Ange­sichts der Tat­sa­che, dass es in der Alt­stadt (und lei­der auch sonst in Erfurt) nur sehr wenige stra­ßen­sei­tige Fas­sa­den mit Begrü­nung gibt, fragt man sich schon, auf wel­cher Basis die­ser Wunsch dort zum Ver­bot wer­den sollte. Zum Glück gab es neben denen, die den Blick ins Ges­tern rich­ten eine Mehr­heit, mit dem Blick aufs Heute und Morgen.

Dar­über hin­aus bot die Ver­an­stal­tung nicht nur eine anre­gende Dis­kus­sion auf hohem Niveau und einen fai­ren Mei­nungs­aus­tausch zum Sat­zungs­ent­wurf, son­dern sie war ein wirk­lich inter­es­san­ter vir­tu­el­ler Stadt­spa­zier­gang. Was macht Erfurts Alt­stadt archi­tek­to­nisch aus, was ist bau­lich nicht so gut gelun­gen und warum emp­fin­det man das so — diese Fra­gen beant­wor­tete der bild– und bei­spiel­rei­che Vor­trag von Herrn Börsch sehr gut. Vie­len Dank für die große Mühe! 

Da in 2,5 Stun­den nicht der gesamte Sat­zungs­ent­wurf dis­ku­tiert wer­den konnte, wird es vor­aus­sicht­lich am 11. April einen zwei­ten Ver­an­stal­tungs­teil geben.

Zu Wün­schen wäre es der Ver­an­stal­tung und dem Thema, es wür­den mehr als 30 Bür­ge­rIn­nen den Weg ins Rat­haus fin­den. Für eine Stadt mit gut 200.000 Ein­woh­nern, wovon ca. 10 % in der Alt­stadt leben, ist da noch Luft nach oben.

Man­che Haus­be­sit­zer haben es in Erfurt schwer: So schnell wie ein neues Graf­fiti an die Wand kommt, kann man es nicht weg machen.

Man­che Haus­be­sit­zer haben es in Erfurt schwer: So schnell wie ein neues Graf­fiti an die Wand kommt, kann man es nicht weg machen. Eine Begrü­nung könnte man­che Mauer schützen.