Meinung # 09

„Wozu sollen die gut sein, die Bäume?“

Nun, wir wol­len hier nicht noch ein­mal Grund­schul­un­ter­richt geben. Denn da wird das gelehrt, was lei­der eini­gen Men­schen nicht mehr selbst­ver­ständ­lich ist. Wir wol­len aber noch auf einige Fak­ten hin­wei­sen. Fakt ist, dass Bäume für die Gesund­heit und das Lebens­ge­fühl der Men­schen in der Stadt eine ganz wich­tige Rolle spie­len. Als Luft­ver­bes­se­rer ist ein gro­ßer Baum viel wir­kungs­vol­ler als alle ande­ren Maß­nah­men, die die Städte mitt­ler­weile wegen der hohen und teil­weise viel zu hohen Fein­staub­be­las­tung durch­füh­ren müs­sen, weil sie die Vor­ga­ben der EU-Richtlinie nicht umsetzen.

» Pres­se­mel­dung der Euro­päi­schen Kom­mis­sion: Deutsch­land ver­stößt gegen EU-Recht bei Fein­staub­be­las­tung (2014)
 
» Stu­die des Umwelt­bun­des­am­tes zur Fein­staub­be­las­tung in Deutsch­land (2009)
 

Dies trifft auch für Teile im Erfur­ter Stadt­ge­biet zu. Lei­der setzt man im Herz des Grü­nen Her­zens bis­lang mehr Geld in graue Beläge, statt in atmende grüne Fil­ter, näm­lich Stadt­bäume und wir­kungs­volle Grün­flä­chen. Im Gegen­teil. Es scheint nur noch darum zu gehen, auf­wän­dige Pro­jekte zu pla­nen und umzu­set­zen (Bei­spiele fin­den sich bereits wei­ter oben), die zwar manch Land­schafts­pla­ner und Archi­tekt groß­ar­tig und schick fin­den mögen, letzt­lich aber von denen, die damit beglückt wer­den, als ste­ril, see­len– und schat­ten­los emp­fun­den werden.

Lei­der wur­den in den letz­ten Jah­ren wich­tige Plätze in der Erfur­ter Innen­stadt der­art umge­stal­tet, dass sie weder öko­lo­gisch noch luft­ver­bes­sernd wirk­sam sind. Abge­se­hen davon, dass der Wohl­fühl­fak­tor und der Erho­lungs­wert auf solch aus­ge­räum­ten „Oasen“ wie Leip­zi­ger, Bahn­hofs­vor­platz, Anger und Platz vorm Neuen Thea­ter bei Men­schen genauso über­sicht­lich sein dürfte, wie diese Stein– und Kies­flä­chen sel­ber. Eine Rasen­flä­che ist keine Wiese, ein küm­mer­li­cher Strauch, wenn über­haupt, kann kein vor­her vor­han­de­nes Gehölz ersetzen.

Bio­lo­gen und Öko­lo­gen wei­sen seit Jah­ren dar­auf hin, dass durch stein­ge­wor­dene Mono­to­nie und nur wirt­schaft­li­cher Pfle­ge­leich­tig­keit unter­wor­fe­nen „Grün­flä­chen“ die ohne­hin geringe Arten­viel­falt immer wei­ter zurückgeht.